Über den Hohen Atlas

Da fuhren wir nun los aus dem hektischen Marrakesch. Wunderschön, aber all die Mopeds in den Gassen und das unaufhörbare Anheuern für Essen und Kaufen hat uns zum Aufbrechen veranlasst. Kurz nach Marrakesch ging es hoch. Hoch über den Hohen Atlas auf 2260 M.ü.M.! Die Strassen waren vor allem geprägt durch eine riesige Baustelle für die neue Strasse. Ist ja nicht so, dass die bestehende Strasse nicht ausreichend war. Aber Strassenbau ist in Marokko ziemlich gefragt. Überall werden die Strassen verbreitert, erneuert beziehungsweise geflickt.

Sowieso ist die Art des Bauens in Marokko qualitativ oftmals etwas gar tief angesetzt. Vieles, das fertiggebaut wurde, scheint schon wieder renovierfähig.

Zurück zum wunderschönen Hohen Atlas. Schnee in Sichtweite. Was für Ausblicke hier oben. Die Natur ein einziges bezauberndes Schauspiel. Um uns herum die hohen schneebedeckten Gipfel. Wow!

An den Strassenrändern hat es überall Quarzsteinhändler. Weiss, rot, blau oder auch grün. Man munkelt, dass die farbigen oftmals eingefärbt wurden.

Auf der Südseite des Hohen Atlas sind wir runtergefahren. Ziel: die Kasbah von Aït Ben Haddaou. Gehört heute zu den UNESCO Weltkulturerben, in welchem noch gegen 15 Familien wohnen.

Das Lehmdorf war einstmals eine sehr lebendige Stadt, die man nach der Unabhängigkeit Marokkos verfallen liess. Grund: die damaligen Bewohnerinnen und Bewohner waren durch die Franzosen angestellt.

Die Kasbah diente als Filmkulisse für verschiedene Filme, unter anderem Gladiator oder Asterix und Cleopatra.

Von Aït Ben Haddaou aus fuhren wir weiter nach Ouarzazate, wo wir auf einem Camping die Nacht verbrachten. Kleines Highlight dieses Aufenthaltes war das Zuschauen, wie ein französischer Wohnmobil-Besitzer seinen Kleinwagen mittels Kettenzug hinten ins Wohnmobil eingefahren hat. Crazy!

Ansonsten hat uns Ouarzazate nicht viel schönes erscheinen lassen. Also fuhren wir ein Stückchen weiter. Mitten in die Palmenoase von Skoura. Zur Ecofarm von Hicham und seinen Brüdern. Bis wir diese Ecofarm überhaupt gefunden haben. Gefühlte 4000 Kreuzungen auf Schotterpiste.

Bei Hicham sind wir 2 Nächte geblieben. Es war die wohl entspannendste Zeit bisher. Er betreibt die Ecofarm mit unglaublicher Liebe zum Detail. Wir genossen eine sehr leckere Tajine, konnten endlich mal wieder einen Teil unserer Wäsche waschen, erhielten ein stärkendes Frühstück und er zeigte uns sein Reich: die Palmenoase von Skoura.

Auch bei Hicham waren Siw und Steffen. Zwei Reisende, die ähnliche Pläne haben. Mit ihnen erlebten wir spannende Diskussionen und gingen gemeinsam eine eindrückliche Kasbah anschauen.

Irgendwann hiess es aber Abschied nehmen, die geteerte Strasse wiederfinden und weiterfahren.

Es warteten zwei Schluchten auf uns. Die Dades- und die Todra-Schlucht. Senkrechte spektakuläre Felswände, spannende Strassen und vor allem spezielle Felsformationen.

Uns hat die Dades-Schlucht mit den Affenfinger-Felsen definitiv besser gefallen.

Die nächste Nacht verbrachten wir bei einer Berber-Familie. Wir suchen unsere Nachtplätze in Marokko mit der Applikation Park4Night. Einfach, da wir in Marokko nicht gross wild campieren wollten. Zum anderen wird man immer wieder überrascht – positiv wie auch negativ. Der Abend bei der Berber-Familie wurde laut. Wie sich die Familienmitglieder gegenseitig sprechend angeschrien haben. Unbeschreiblich. Klar, in der Bewertung dieses Platzes stand auch „wenn du eine ruhige Nacht suchst, dann bist du hier falsch“. Es wurde geschrien, geklatscht, gekocht und auch richtig rumgestresst. Die Franzosen auf dem Platz liebten das. Uns war es etwas gar zuviel. Als dann nach dem gemeinsamen leckeren Nachtessen noch das Verkleidespiel angefangen hat, haben wir uns gegenseitig nur noch lachend angeschaut. Wir machten aber mit. Immerhin meinen sie es nur lieb.

Am nächsten Morgen sind wir nach einer erstaunlich ruhigen Nacht dann zack zack weitergefahren. Wir brauchten etwas Ruhe.

Diese Ruhe sollten wir finden. In der Wüste Erg Chebbi in Merzouga. Wow!

Wir fuhren den Sanddünen entlang bis zum Sahara Garden. Ein Platz direkt, wirklich direkt neben den Sanddünen. Wir waren fast alleine. Etwas spontaner als wir vor hatten, aber schlussendlich perfekt, sind wir am ersten Abend gleich mit Ali und zwei Dromedaren in die Wüste geritten. Die Ruhe und die Dünen waren sehr beeindruckend!

Ali kochte die weitaus beste marrokanische Suppe und Tajine in ganz Marokko. Es sollte das mit Abstand leckerste Nachtessen während unserem einmonatigen Aufenthalt in Marokko werden.

Am Lagerfeuer haben wir mit Ali und seinem Freund Moha Musik gemacht, Lebensgeschichten erzählt, den klaren Sternenhimmel genossen und anschliessend die hundertste Nacht auf unserer Reise in einem Nomaden-Zelt verbracht. Spannend, dass wir genau die hundertste Nacht als erste Nacht – nebst dem Trip nach Kap Verden – nicht in unserem Bus verbracht haben, sondern mitten in der marrokanischen Wüste.

Wir blieben weitere drei Tage im Sahara Garden und genossen den Platz quasi für uns alleine. Einzig die Touristen, die kurz vor fünf Uhr abends anreisten, um den Wüstentrip zu starten, haben ein bisschen die Ruhe gekreuzt.

Wie immer, hiess es auch hier einmal Abschied nehmen. Abschied nehmen von dieser atemberaubenden Landschaft. Die Sanddünen können einen verschlucken. Wortwörtlich, aber auch sinngemäss. Es packt einen, immer wieder den Sanddünen hinauf zu folgen und die Aussicht zu geniessen.

Wir fuhren eine zeitlang über den östlichen Teil des Hohen Atlas zurück gegen Norden, um dann über den Mittleren Atlas in der Königsstadt Meknes zu landen.

Unterwegs sind wir im Schnee gestanden, haben wildlebende Berberaffen mit leckeren Mandarinen gefüttert und auch hier wieder die wunderschöne Natur genossen.

In Meknes sind wir gemütlich durch die schöne Medina spaziert und haben den Markt erlebt.

Meknes ist definitiv einen Besuch wert. Die Medina ist klein und überschaubar. Uns hatte es allerdings etwas gar viel Kleiderläden, welche die Medina säumten. Andere Medinas charmen mit mehr unterschiedlichen Entdeckungen, wenn man hindurch läuft.

Nach der etwas lauten Nacht an der Strasse vor der Medina in Meknes machten wir uns auf nach Fés. Die Königsstadt schlechthin. Es gibt keinen Plan der Altstadt von Fés. Es wird empfohlen, nicht ohne einen Guide durch die Gassen zu spazieren, da man ansonsten verloren gehen kann. Die engen Gassen, die hohen Wände und die fehlenden Strassennamen machen es einem nicht leichter, sich zurecht zu finden.

In Fés sind wir auf den Camping „Diamant Vert“ gegangen. Einer von zwei Campings in Fés. Praktisch gelegen, grosszügiges Gelände sprachen dafür. Dort angekommen hiess es, der Campingplatz sei geschlossen. Der erste Mitarbeitende sagte uns aufgrund einer Baustelle. Der zweite kam sogleich und teilte uns mit, dass die Regierung vorbeikam und mit einem Bagger einen der bestehenden Bungalows zerstörte. Weiter vernahmen wir, dass sie auch die Schwimmanlage zerstörten. Laut Gerüchten aufgrund fehlender Papiere. Auch das ist Marokko.

Nach gut zwei Stunden am Strassenrand konnten wir die Nacht doch noch auf dem Campingplatz verbringen.

Für den nächsten Tag haben wir den empfohlenen Guide für die Erkundung der Altstadt in Fés gebucht. Aziz sein Name. Die eintägige Tour genossen wir gemeinsam mit Ruth und Beat aus Griechenland, also eigentlich dem Bündnerland. Sie sagten jeweils, dass ihr „GR“ für Griechenland stehe. Hat ihnen wohl etwas gemütlichere Begegnungen mit den Händlern Marokkos ermöglicht. Zwei junggebliebene Menschen, mit denen wir viel diskutieren und lachen durften.

Die Tour war geprägt von Besuchen der bekannten Riads in Fés, die engen Gassen, verschiedene Denkmäler, Kräuterstände mit all den Gerüchen und auch Cafés. Spannend ist vor allem, dass man durch die leeren und engen Gassen läuft, die Sonne im Gesicht hat, durch den aufwirbelnden Staub nichts sieht aber alles riecht. Plötzlich stehen vor einem Fleischstände mit Dromedarköpfen, Fischstände, Olivenhäuschen oder kleine Bäckereien.

Die Führung mit Aziz endete mit der Aussicht über die Altstadt Fés. Es war durchaus spannend.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns vorläufig von Ruth und Beat, wie wir uns von vielen bisherigen neuen Freunden auf der Route verabschiedeten. Stets mit der Möglichkeit und auch Vorfreude, sie alle wiederzusehen.

Der Weg führte uns nach Chefchauen, der letzten Station unseres einmonatigen Trips durch Marokko. Chefchauen, die blaue Perle. Eine Stadt, gebaut hoch oben am Berg. Enge Gassen, steile Wege und die bekannten blauen Fassaden. Schön. Schön viel los hier. Also, vor allem in Bezug auf Rauschgiftkonsum beziehungsweise Handel. Ungefähr jede vierte Person, vor allem männlich, fragten uns, ob wir etwas „Chocolate“ kaufen wollten. So nennen sie hier Marihuana „Haschisch“. Wenn wir verneinten, so wollten sie uns noch ihr Opium schmackhaft machen. Wir lehnten dankend ab. Wenn sie beim zweiten Mal immer noch nicht akzeptieren wollten, so sagten wir bestimmt „la shukran“ – nein Danke!

Wir möchten jedoch den Fokus von Chefchauen nicht auf die Angebote der Drogendealer lenken.

Viel lieber möchten wir nebst den blauen Häuser zwei sehr sympathische Menschen erwähnen. Antonia und Herbert. Zwei St. Galler – ja, man kommt mit unserer auffallenden Sprache durchaus in Kontakt mit Schweizerinnen und Schweizer – die pensioniert sind und momentan ihren Lebensalltag auch in Marokko geniessen. Zwei junggebliebene Menschen, denen wir auf diesem Weg noch ganz viele Genüsse und Entdeckungen wünschen.

Es fällt uns gerade auf, dass wir bisher nur sehr liebe Menschen kennenlernen durften. Etwas, was uns von der Reise definitiv bleiben wird.

Es hiess wieder mal Abschied nehmen. Nicht nur von Antonia und Herbert, sondern von Marokko als Destination.

Die vier Wochen in Marokko haben uns geflasht. Wir sind hin und weg. Die vielen lieben Marokkanerinnen und Marrokaner, die unendlichen Gerüche, die Schlaglöcher, der feine Sand der Erg Chebbi Wüste in den Schuhen, die hohen Dünen, die Lagerfeuer in Sidi Kaouki, die unzähligen Tajinen, die engen Gassen, die Weite der Hochebenen, die steilen Felswände des Hohen Atlas, die Dromedare, und und und. Wir können gar nicht aufhören zu schwärmen. Vor allem haben uns all die Menschen geflasht, die wir kennengelernt haben. Danke.

Wir sind nun nach dem zwei Stunden dauernden Grenzübertritt in Ceuta und die kurze Fähr-Durchquerung der Strasse von Gibraltar wieder in Spanien.

Gerne blicken wir noch lange auf die Zeit in Marokko zurück. Shukran!

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