Grusel und Flammen

Wir machten uns weiter auf den Weg Richtung Portugal. Ziel wird Lissabon sein, von wo aus wir am 13. Dezember auf die Kap Verde reisen.

Dazwischen liegen noch spannende Destinationen. Eine davon ist Frigiliana.

Am nächsten Tag sind wir, nachdem wir die nächtlich erzeugte Feuchtigkeit im Bus weg hatten, nach Frigiliana aufgebrochen. Ein erhöhtes Dorf, bestehend aus komplett weissen Häusern. Ein Highlight der bisher entdeckten Orte unserer Reise. In Frigiliana haben wir uns ein leckeres Mittagessen an der prallen Sonne gegönnt. Jummie. Nach dem Mittagessen haben wir das gemütliche Örtchen etwas genauer erkundet. Kleine Gässchen, viele Treppen und eine beruhigende Stimmung.

Mit der Entspannung aus Frigiliana sind wir dann aufgebrochen, um nach Cordoba zu fahren. Eine Stadt im Hinterland. Hier hat man etwas Ruhe vom Wind am Meer. Luxusproblem.

Als erstes entdeckten wir einen perfekten Spot. Waschsalon, Autowaschstrasse, Café und WC in einem. Wow! Wir hielten an, haben all unsere Wäsche genommen und in die riesige Waschtrommel geworfen. „Speed Cara“ hiess die Waschmaschine. 27 Minuten für einen ganzen Waschgang. Wunderbar. Um die Wartezeit zu verkürzen haben wir uns im Café einen Espresso und einen normalen Kaffee bestellt. Schnell wurde uns bewusst, dass dies dasselbe ist. So lernt man dazu. Die Zeit während dem Trocknen haben wir mit Salzabbau am Bussli verweilt. Frische Herbstluft in die Pneus gepumpt und auf das Ende des Trocknengangs gewartet.

Auf auf in die Stadt. Schöne Stadt. Wir sind bisschen durch die Stadt geschlendert, haben die Moschee-Kathedrale besucht, sind durchs jüdische Quartier gelaufen und haben in einem Maison Thé etwas die Beine entspannt.

Die Moschee-Kathedrale ist etwas besonderes. Mitten in der Moschee steht eine christliche Kathedrale. Dies zeugt von der Zeit, als hier Christen, Muslime und Juden gemeinsam gebetet haben. Eindrucksvoll.

Am Abend haben wir uns noch einen entspannenden Besuch im Hammam gegönnt. Klein aber fein war es. Entspannt sind wir dann in den Bus gestiegen und sind etwas ausserhalb zu unserem Schlafplatz gefahren.

Von Cordoba aus sind wir nach Sevilla weitergereist. Nachdem wir einen passenden Parkplatz zum Übernachten entdeckten – was in Städten jeweils schwieriger bzw. aufwändiger ist – haben wir uns diese Stadt mal näher angeschaut. Eine Studentenstadt. Eindeutig. Härzige Kaffees, viele Restaurants, Bars usw. findet man hier eins nach dem anderen.

Wir hatten wieder mal Hunger und haben uns neben der Universität auf die Terrasse eines libanesischen Restaurants hingesetzt. Diese Degustationsplatte, die wir bestellt haben. Der Knüller! Wahnsinn! Ein Traum. Dazu die wärmende Sonne Sevillas. Solche Momente beschreiben das Leben!

Da wir uns aufgrund der wunderbaren und unübertreffbaren Leckerheit dieses Gerichts völlig überessen haben, sind wir dann einfach durch die Stadt spaziert.

Wirklich eine schöne Stadt. Sie gibt den Menschen hier viel Platz. Perfekt für Fahrradfahrende, perfekt im ÖV und der Fluss bietet Schwimm- und Rudermöglichkeiten.

Der Tag endete mit einem Besuch des Triana Quartiers. Im Sommer ist hier enorm viel los. Die Sitzbänke am Flussufer werden dann direkt zu offenen Bartheken umfunktioniert. Jetzt herrscht hier eher Gemütlichkeit.

Das feine Glas Rotwein haben wir dann zu späterer und kühlerer Stunde doch unter einem beheizten Platz genossen.

Nach – für städtische Verhältnisse – perfektem Schlaf sind wir am folgenden Tag noch den Plaza Espagna und einen Markt anschauen gegangen.

Wir merkten jedoch auch, dass uns die Landschaften, die Strände, die Berge usw. mehr anziehen als immer wieder diese Städte. Also brachen wir auf und fuhren wieder aufs Land.

Wann hast du das letzte Mal einen Western geschaut? In den Westernfilmen reiten sie auf Pferden durch Dörfer. Der Strassenbelag besteht aus Sand. Die Pferde werden vor dem Hauseingang mit Seilen festgemacht. Die Shops verkaufen Cowboyhüte, Reiterstiefel usw.

Das ist „El Rocio“. Ein Dorf, das stehen geblieben zu sein scheint. Irgendwo im Wilden Westen. Die Kinder spielen hier nicht Fussball oder mit Skateboards. Nein, sie reiten. Völlig normal. Das ganze Dorf (800 Einwohnerinnen und Einwohner) liegt im Sand. Spannend.

Während der Ostern- und Pfingstenzeit wächst das Dorf auf 1’000’000!! Pilgerinnen und Pilger an. Wahnsinn!

Kupfer-, Eisenerzmienen „Rio Tinto“. Lange vor unserer Zeit in Besitz der englischen Kolonie (um 1880) stand die Miene lange Zeit still. Im Jahr 2016 wurde die Miene infolge der steigenden Rohstoffpreise wieder hochgefahren und es wird wieder geschürft. Eindrückliche Landschaften. Spannende Farbwechsel. Riesige Weiten. Hat bisschen was von Marslandschaft. Die NASA hat hier auch schon Tests für Marsflüge durchgeführt.

Da kamen wir gestern Abend bei unserem Schlafplatz an. Im Nichts. Irgendwo im Gebiet der alten Mienen. Sonnenuntergang. Gute Stimmung. Kein Wind.

Wir haben uns Nachtessen gemacht und genossen. Feine Gemüsesuppe. Lecker.

Sonne weg. Zähne geputzt, Körper gewaschen und ab ins Bett. Licht gelöscht. Ready zum Einschlafen. Plötzlich Kettengeräusche um den Bus. Sicht gleich Null. Das Adrenalin steigt. Was kann das sein? Dann wieder Ruhe. Nicht lange. Kennst du das Geräusch, wenn jemand eine Schaufel schnell über Kies zieht? Genau so hats gemacht. Auf der anderen Seite des Busses. Was macht man in so einem Moment? „Hola?“ kam aus meinem Mund. Völlig ungeplant. Einfach raus. Nichts. Keine Reaktion. Nochmal das „Schaufelgeräusch“. Ich wieder: „Hola?“. Nichts. Plötzlich hörten wir wieder das Geräusch der Kette am Boden um den Bus ziehen. Dann im Dunkel der Nacht. Die Konturen eines grossen Tieres. War es ein Hund? Ein Esel? Ein wildes Tier? Ein wildes Tier, gefangen in einer Falle?

Wir schauten noch zwischen den Vorhängen raus, ob das Tier alleine war. Herzrasen, wenn man rausschaut. Nichts. Allerdings verging die Lust, an diesem Platz die Nacht zu verbringen. Hosen und Schuhe angezogen und weggefahren zu einem gemütlicheren Platz, um schrecklos den Schlaf zu finden.

Grenze zu Portugal. Noch 6 Kilometer und wir sind in Portugal. Zuerst geniessen wir jedoch mal ein oder zwei Tage Strand. Wir sind in Ayamonte am Meer. Neben uns liegt der Grenzfluss zu Portugal. Wir können quasi rüberblicken.

Allerdings war heute Abend alles bisschen aus den Fugen geraten. Wir haben uns vor der Reise den Omnia Backofen besorgt. Damit werden wir auf der Reise Brot backen, Gemüse garen, Kuchen backen usw.

Heute wollten wir feines frisches Backofengemüse machen. Der Gaskocher war scheinbar nicht dafür gedacht. Schreckmoment. Riesen Flammen schossen plötzlich aus dem Gaskocher. Nebenan der Bus. Also, der Tank, welcher leider schon länger bisschen rinnt. Da schiessen einem schon mal schwankende Gedanken durch den Kopf. Heidi noch im Bus. Raus da. Die Flammen höher und breiter. Feuerlöscher gegriffen und das Pulver mal grossflächig über den brennenden Gaskocher spritzen.

Der Gaskocher dahingeschmolzen, das Gemüse noch essbar.

Jedenfalls wissen wir jetzt, dass wir uns morgen Samstag bisschen Strandruhe gönnen. Entspannen. Sonne tanken.

Hasta luego – in Portugal.

Ein Gedanke zu “Grusel und Flammen

  1. Coole Geschichten, kurzweilig zum lesen. Macht Spass, Eure Reise mit zu verfolgen.
    Weiter viele tollo Erlebnisse und „ruhigere“ Nächte ohne komische Geräusche und brennende Gaskocher😃
    Gruss Mike Baumann

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