Almería, der Gemüsegarten Europas

Seit 4 Tagen sind wir nun in Almería, genauer Roquetas de Mar. Hier sind zwei Freunde aus Biel, die wir besuchen gekommen sind. Die zwei planen ebenfalls, ein Jahr lang unterwegs zu sein. Mit einem anderen Fokus. Sie wollen das Jahr einsetzen, um Gutes für andere Menschen zu tun. Ansteckend.

Almería ist ein Ort, den man in gefühlslagiger Betrachtung „verwirrend“ bezeichnen kann. Man findet hier einen wunderschönen langen Strand vor, der Ort ist sauber und im Hinterland befinden sich hohe Berge. Trotzdem fällt der Fokus hier immer wieder auf die bekannten Gewächshäuser. Auch Plastikmeer genannt. Eine Fläche, grösser als der Kanton Zug ist mit Plastikfolie bedeckt. Ein Gewächshaus nach dem anderen findet sich auf linker und rechter Strassenseite, an welcher man ohne Probleme eine halbe Stunde entlangfahren kann, ohne etwas anderes zu sehen. Beeindruckend.

Almería ist der Gemüsegarten Europas. Hier arbeiten um die 80.000 Feldarbeiterinnen und Feldarbeiter. Die meisten kamen als Flüchtende von Afrika hierher. Auf dem Weg in ein besseres Leben sind sie zwischen den Gewächshäusern gestrandet. Um die 9 Stunden Arbeit pro Tag, die ganze Woche lang. Alles für einen Lohn, für den in der Schweiz niemand aufstehen würde. Beschämend.

Die Küste Almerías ist die trockenste Region Europas. Über 300 Sonnentage im Jahr machen das Klima perfekt, um die Saison von Tomaten, Gurken, Peperonis oder Melonen auf den unseren Winter zu konzentrieren. Wenn unsere Landwirtschaftsbetriebe im Norden Europas den Winterweizen starten, werden hier die ersten Cherrytomaten geerntet. 80% des hier produzierten Gemüses wird exportiert. Deutschland, Frankreich, Schweiz, Norwegen, Schweden, Dänemark usw. sind alles Länder, wo die gefüllten Lastwagen ihre tausende Kilometer weit gefahrene Ladung abladen.

Was vielen in Nordeuropa wohl nicht bewusst ist, ist die Ausbeutung der Menschen, die dieses Gemüse ernten. Verschiedenste Gewerkschaften, das Rote Kreuz usw. sind hier tätig, um den Besitzerinnen und Besitzern der Gemüseplantagen auf die Finger zu schauen. Eine endlose Arbeit. Trotz dieser vorherrschenden Situation darf man auch nicht vergessen, dass es dank der Gemüseplantagen der Region hier gut geht. Der Gemüsebau hat der Region Almería einen riesigen Aufschwung gebracht. Vor 30 Jahren gab es hier beispielsweise keine Universität. Kinder können heute zur Schule gehen und Bildung geniessen. Feldarbeiterinnen und Feldarbeiter können einen Teil des Lohnes in die Heimat schicken, womit wiederum weitere Familien einen finanziellen Zustupf erhalten.

Doch! Trotz diesen Faktoren, die ein etwas positiveres Bild auf diese Region geben mögen, so sollte man sich als Konsumentin oder Konsument bewusst sein, dass es hier Ausbeutung von Menschen gibt!

Ziel der Politik in und um Almería ist es, aus der Region den Gemüsegarten der Welt zu machen.

Was man sich als Konsumentin oder Konsument auch fragen kann ist, warum wird beispielsweise kein Auge auf die Gemüseproduktion in Holland oder Italien geworfen?!

Wie am Anfang erwähnt, haben wir hier prinzipiell Jay und Cyril besucht. Die Zeit hier mit ihnen war spannend, erholsam zugleich, lustig, köstlich und auch nachdenklich.

Am Abend haben wir jeweils lecker gekocht, feinen Wein getrunken, Wäsche gemacht, sind rumgehangen, haben Spiele gespielt und spannende Diskussionen geführt. Die schöne Promenade hier hat auch zum Joggen eingeladen. Hat gut getan.

„Mautzi“, die kleine Katze werden wir auch fest vermissen.

Zudem durften wir während der Zeit hier auf einer breiten Matratze schlafen. Danke!

Wir werden aufbrechen, und die Weiterfahrt unserer Reise angehen. Cordoba, Granada, Malaga, Lissabon usw.

Es warten noch spannende Orte auf uns.

Danke Jay und Cyril für eure (Gast)Freundschaft! Man sieht sich eventuell in Marokko.

 

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